Miss eine Woche lang, wo dein Büro Zeit verliert, und fang dann beim Eingang an, denn alles Weitere baut darauf auf. Danach folgen der Stand der Aufgaben und Projekte, Termine, Geräte und Rechnungen. So entlastet jeder Schritt das Büro, statt eine weitere Insel zu bauen. Wie viel Zeit im Büro stecken kann, zeigt der Sanierungsbetrieb Engels mit vorher 500 Stunden Bürozeit im Monat.
- 72%von 504 befragten Handwerksbetrieben haben laut Bitkom zu viel zu tun für die Digitalisierung (Juni bis Juli 2025)
- 4%von 504 befragten Handwerksbetrieben setzten laut Bitkom KI ein, 9 % planten es (Juni bis Juli 2025)
- 500hBürozeit im Monat hatte Engels vorher, Aufgaben und Projekte standen zu 100 % auf Papier (Fallstudie Oktober 2026)
01Was Digitalisierung im Handwerk heißt
Digitalisierung im Handwerk heißt, dass Anfragen, Aufträge, Termine, Geräte und Rechnungen digital an einer Stelle liegen statt auf Zetteln und in Köpfen. Gemeint ist kein bestimmtes Programm, sondern der Weg, auf dem die Arbeit durch den Betrieb läuft.
02Wo das Handwerk bei der Digitalisierung steht
Von 504 Handwerksbetrieben sahen 89 % die Digitalisierung 2025 als Chance, 72 % hatten dafür zu viel zu tun. So steht es in der Studie „Digitalisierung des Handwerks“ des Digitalverbands Bitkom. Bitkom Research hat dafür von Juni bis Juli 2025 die Geschäftsführungen dieser Betriebe telefonisch befragt. Die Antworten sind nach der Handwerkszählung des Statistischen Bundesamts gewichtet, die Fehlerspanne liegt bei plus minus 4 Prozentpunkten.
- Die eigene Digitalisierung benoteten die Betriebe 2025 im Schnitt mit 3,0, nach 3,1 im Jahr 2022.
- 58 % sagten 2025, sie hätten keinen Überblick, was technisch alles möglich ist.
- 77 % nutzten 2025 weiterhin den Brief, 26 % sogar das Fax.
- 75 % nannten 2025 den Fachkräftemangel als Herausforderung, 83 % den Mangel an Auszubildenden.
Wille ist also da, Zeit fehlt, und Fachkräfte fehlen auch. Jede Stunde, die eine Fachkraft im Büro nachfragt oder sucht, fehlt auf der Baustelle. Der erste Schritt muss deshalb Zeit freimachen, bevor er neue kostet.
03Warum ein neues Programm das Büro oft nicht entlastet
Ein neues Programm entlastet das Büro nur, wenn es eine bestehende Arbeit ersetzt, statt eine weitere daneben zu stellen. Kommt eine App dazu und der Zettel bleibt, pflegt jemand beides. Die Verbindung zwischen den Inseln ist dann ein Mensch, der abtippt und nachfragt.
59 % der Betriebe in der Bitkom-Studie meinten 2025, digitale Anwendungen lohnten sich nur für größere Betriebe. Wir sehen das anders. Ob sich ein Schritt lohnt, hängt nach unserer Einschätzung daran, ob danach eine Arbeit wegfällt, die heute jeden Tag Stunden kostet.
Wann eine fertige Handwerkersoftware dafür reicht, steht im Beitrag Handwerkersoftware.
04Wo du anfängst, in dieser Reihenfolge
Fang mit einer Messwoche an, dann beim Eingang, beim Stand der Aufgaben und Projekte und danach bei Terminen, Geräten und Rechnungen. Jede Stufe baut auf den Angaben der vorigen auf. Liegt der größte Zeitfresser weiter hinten, zieh ihn vor, sobald Eingang und Stand stehen. Diese Reihenfolge ist unsere Empfehlung, keine Vorschrift.
Ich würde beim Eingang anfangen, weil dort jede Angabe zum ersten Mal in den Betrieb kommt. Was dort fehlt, fehlt später in der Planung und auf der Rechnung.
- Eine Woche messen. Zähl jeden Anruf, jede Rückfrage und jede Suche nach einem Zettel, Gerät oder Stand. Am einfachsten geht das mit einer Strichliste neben dem Telefon und im Fahrzeug, mit Minuten statt Schätzungen. Am Ende der Woche addierst du die Minuten je Art. Der größte Block zeigt dir, was du nach Eingang und Stand vorziehst.
- Den Eingang an einen Ort bringen. Jede Anfrage landet als Vorgang an derselben Stelle, ob per Telefon, Mail oder Messenger.
- Jeder Auftrag mit Stand und Zuständigem. Wie ein Auftrag ohne Lücke von der Anfrage bis zur Rechnung läuft, steht unter Auftragsabwicklung.
- Termine und Einsätze planen. Erst jetzt lohnt eine Plantafel, weil sie mit vollständigen Angaben plant.
- Geräte und Material zuordnen. Jedes Gerät gehört zu einem Auftrag und einer Adresse, mehr dazu unter Werkzeugverwaltung.
- Rechnung aus dem Auftrag. Steht alles im Auftrag, entsteht die Rechnung ohne Abtippen.
Ob Engels genau in dieser Reihenfolge vorgegangen ist, zeigt die Fallstudie Engels-OS nicht. Zu sehen ist dort, welche Stellen das System heute trägt.
Die Rechnung steht in der Reihenfolge am Ende der Kette, nicht am Ende der Zeit. E-Rechnungen empfangen muss jedes inländische Unternehmen schon seit dem 1. Januar 2025. Für Rechnungen an andere inländische Unternehmen musst du sie ab 1. Januar 2027 ausstellen. Lag dein Vorjahresumsatz bei höchstens 800.000 Euro, gilt das ab 1. Januar 2028. Ausgenommen sind unter anderem Rechnungen an Privatpersonen, Kleinbeträge bis 250 Euro brutto und Rechnungen von Kleinunternehmern. Mehr dazu unter E-Rechnung ab 2027.
Wer Förderung für einen dieser Schritte sucht, findet in der Förderdatenbank des Bundes Programme von Bund, Ländern und EU.
05Büro organisieren, wo jede Angabe hingehört
Ein Büro ist organisiert, wenn jede Angabe genau einen festen Ort hat und dort nur einmal gepflegt wird. Die linke Spalte zeigt, wo Angaben nach unserer Erfahrung oft liegen, die rechte, wo sie hingehören.
| Angabe | Wo sie oft liegt | Wo sie hingehört |
|---|---|---|
| Anruf eines Kunden | Block neben dem Telefon | als Vorgang mit Namen und Rückrufzeit |
| Aufmaß | Zettel im Auto | im Auftrag, bevor das Angebot entsteht |
| Stand eines Auftrags | im Kopf des Chefs | im Auftrag, für alle sichtbar |
| Standort eines Geräts | im Kopf eines Monteurs | beim Gerät, mit Projekt und Adresse |
| Arbeitszeit | Stundenzettel am Freitag | täglich in der App auf der Baustelle |
Frag dich bei jeder Zeile, wer heute die Antwort weiß, wenn du im Urlaub bist.
06Zettelwirtschaft beenden, ohne das Team zu verlieren
Zettel verschwinden erst, wenn der digitale Weg auf der Baustelle schneller ist als der Zettel. Ein Zettel ist immer da, braucht kein Netz und keine Anmeldung. Was ihn ersetzen soll, muss mindestens genauso schnell sein.
Widerstand entsteht, wenn Menschen ihre Arbeitsweise an eine Software anpassen müssen, die sie nicht gefragt hat. Frag deshalb zuerst das Team, welche Zettel es schreibt und wofür. Ersetz dann eine Zettelart nach der anderen, nicht alle an einem Stichtag.
Nicht jeder alte Kanal muss sofort weg. Wenn Kunden anrufen oder Briefe schicken, ist das in Ordnung, solange jeder Kanal am selben Ort ankommt.
07KI im Handwerk, wo sie heute ansetzt
KI spielt im Handwerk bisher kaum eine Rolle, 2025 nutzten sie laut Bitkom 4 % von 504 befragten Betrieben. Nur 29 % sagten, sie hätten Mitarbeitende, die mit KI umgehen können.
Angeboten wird KI für Handwerksbetriebe heute etwa am Telefon. plancraft nennt einen KI-Empfang, der Anrufe und Nachrichten annimmt, HERO einen KI-Telefonassistenten. Was so ein Assistent leistet und wo er endet, steht unter KI-Telefonassistent.
Eine Grenze bleibt. Die KI nimmt den Anruf an, aber das Ergebnis muss dort landen, wo es jemand bearbeitet. Ohne geordneten Eingang wird aus dem Telefonzettel nur eine Notiz an einer anderen Stelle. Ordne deshalb zuerst den Eingang und setz KI danach ein.
08Häufige Missverständnisse
- „Wir digitalisieren, wenn wieder Luft ist.“ Luft entsteht erst durch den ersten Schritt. Genau dieses Warten kostet die Zeit, die später fehlt.
- „Digitalisierung heißt, eine App zu kaufen.“ Eine App ohne festen Ablauf ist ein weiterer Ort, den jemand pflegen muss.
- „Erst muss alles digital sein, dann lohnt es sich.“ Schon ein geordneter Eingang spart Rückfragen. Der Rest folgt Schritt für Schritt.
Wo in deinem Betrieb die meiste Zeit verloren geht, klären wir in einer kostenlosen System-Analyse in 15 Minuten. Was die Arbeit von Hand dich heute kostet, rechnest du vorher im Kostenrechner aus.
Quellen
- Bitkom, Digitalisierung des Handwerks, Bitkom-Studie 2025, telefonische Befragung von 504 Handwerksbetrieben, Kalenderwochen 23 bis 29 2025, DOI 10.64022/2025-digitalisierung-handwerk, abgerufen am 16. Oktober 2026
- Bundesministerium der Finanzen, Fragen und Antworten zur Einführung der obligatorischen (verpflichtenden) E-Rechnung zum 1. Januar 2025, Stand März 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026
- Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Förderdatenbank des Bundes, abgerufen am 16. Oktober 2026
- plancraft, Preise, abgerufen am 16. Oktober 2026
- HERO Software, Preise und Pläne, abgerufen am 16. Oktober 2026
- paceOPS, Fallstudie Engels-OS, Stand Oktober 2026

