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Handwerkersoftware, wann sie reicht und wann dein Betrieb ein eigenes System braucht

Handwerkersoftware schreibt Angebote und Rechnungen, nimmt Aufmaß und erfasst Zeiten. Was sie nicht kennt, bleibt auf Zetteln und im Kopf. Woran du erkennst, ob der Standard für deinen Betrieb reicht, mit Preisen zweier Anbieter und unserer Einschätzung.

Arbnor BerbatovciGründer und Inhaber von paceOPS

Veröffentlicht

Eine Handwerkersoftware reicht, wenn dein Betrieb einem Ablauf folgt, vom Aufmaß über das Angebot bis zur Rechnung. Dann bündelt sie Büro und Baustelle an einer Stelle, für einen planbaren Monatspreis. Ein eigenes System wird erst interessant, wenn mehrere Gewerke, viele Geräte oder das Telefon den Alltag im Büro bestimmen. Dazwischen gibt es Mittelwege, etwa Standard plus Zusatzwerkzeug.

  • 59,90€im Monat kostet der kleinste Plan von plancraft mit einem Büro-Nutzer, bei jährlicher Zahlung (Preisseite, 16.10.2026)
  • 2.630€im Jahr netto kostet plancraft laut unserer Modellrechnung bei einer Person im Büro und sechs Monteuren (Stand 16.10.2026)
  • 6Monatehast du für die Rechnung nach steuerpflichtigen Arbeiten am Grundstück eines Privatkunden (§ 14 Abs. 2 UStG, Stand Oktober 2026)

01Was eine Handwerkersoftware abdeckt

Eine Handwerkersoftware führt die Büroarbeit eines Betriebs an einer Stelle, meist mit einer App für die Baustelle. Unter dem Begriff laufen drei Arten, reine Rechnungsprogramme, Handwerkersoftware mit App und Branchenlösungen für ein Gewerk. Was genau dazugehört, unterscheidet sich je Anbieter. Bei plancraft stehen auf der Preisseite Angebote, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine, Rechnungen, E-Rechnung und Nachkalkulation, dazu eine Plantafel als Zusatz. In der App kommen mobiles Aufmaß, Zeiterfassung, Chat und Baudokumentation dazu.

HERO führt neben Angeboten und Rechnungen auch Mahnwesen, Personalplanung, Zeiterfassung und eine digitale Plantafel auf. In den größeren Plänen kommen Lagerverwaltung und ein KI-Telefonassistent dazu. Beide Anbieter binden das Format DATANORM ein, plancraft ab dem Plan Pro.

Bezahlt wird je Nutzer und Monat, bei beiden Beispielen getrennt nach Büro und Baustelle. plancraft verlangt am 16. Oktober 2026 im kleinsten Plan 59,90 Euro im Monat bei jährlicher Vorauszahlung. Darin ist ein Nutzer im Büro enthalten, jeder mobile Nutzer kostet 19,90 Euro mehr. HERO nennt am selben Tag ab 69 Euro im Monat mit einer Lizenz, jede weitere App-Lizenz kostet ab 22 Euro. Alle Preise verstehen sich zuzüglich Mehrwertsteuer.

Für Kleinbetriebe haben beide Anbieter Einstiegspläne. plancraft nennt seinen kleinsten Plan ideal für Einzelunternehmen und kleine Betriebe, HERO seinen für Betriebe mit bis zu fünf Mitarbeitenden. Eine dauerhaft kostenlose Handwerkersoftware nennen beide Preisseiten nicht, wohl aber einen kostenlosen Test.

02Wo Handwerkersoftware im Betriebsalltag an Grenzen stößt

Handwerkersoftware stößt dort an Grenzen, wo dein Betrieb anders arbeitet als die Vorlage, nach der sie gebaut ist. Was dazu in diesem Abschnitt steht, ist unsere Einschätzung, keine Messung. Abgebildet ist, was die meisten Betriebe gemeinsam haben. Die Unterschiede liegen im Handwerk selten in der Rechnung, sondern auf dem Weg vom ersten Anruf bis zur Abnahme.

StationWas die beiden Beispiele abdeckenWas oft daneben läuft
Anruf und AnfrageKI-Empfang bei plancraft, KI-Telefonassistent bei HERORückrufe und Absprachen, die auf Zetteln landen
Aufmaßmobiles Aufmaß in der Appje Gewerk andere Schritte und Maße
Einsatz und BaustellePlantafel, Zeiterfassung, BaudokumentationGeräte, die wochenlang bei Kunden stehen
Abnahme und RechnungRechnung, E-Rechnung, MahnwesenLeistungen, die auf dem Weg ins Büro verloren gehen

Am deutlichsten wird die Grenze, wenn ein Betrieb mehrere Gewerke unter einem Dach führt. Bei KOVA Montageservice nehmen vier Gewerke mit eigenen Schritten heute einen gemeinsamen Weg, beschrieben im Beitrag Auftragsabwicklung (Fallstudie, Stand Oktober 2026).

Bei Engels, einem Betrieb für Leckortung und Sanierung, standen Aufgaben und Projekte vorher nur auf Zetteln (Fallstudie Engels-OS). Wie viel davon eine Standardsoftware abgenommen hätte, zeigt die Fallstudie nicht.

Für das Telefon bieten Anbieter von Handwerkersoftware inzwischen selbst KI an, mehr dazu unter KI-Telefonassistent. Ob eine Lagerverwaltung auch Geräte führt, die über Wochen bei Kunden stehen, steht auf den Preisseiten nicht. Was eine Werkzeugverwaltung dafür können muss, steht im eigenen Beitrag.

03Wann die Software reicht und wann ein eigenes System

Handwerkersoftware reicht, solange die Unterschiede in deinem Betrieb klein sind und das Büro vor allem Ordnung braucht. Für einen Kleinbetrieb mit einem Gewerk ist das meist der Fall. Diese fünf Fragen zeigen, wo du stehst. Die Zuordnung in diesem Abschnitt ist unsere Einschätzung.

Frage an deinen BetriebSpricht für HandwerkersoftwareSpricht für ein eigenes System
Wie viele Gewerke hast du?eins, oder mehrere mit gleichen Schrittenmehrere, jedes mit eigenem Weg vom Aufmaß bis zur Abnahme
Wo stehen deine Geräte?im Lager, mit kurzen Einsätzenverteilt bei Kunden, über Wochen
Wie kommen Anfragen herein?Anrufe, die nur einen Termin betreffenviele Anrufe, deren Ergebnis mehrere Bereiche betrifft
Wo liegt der Engpass?beim Schreiben von Angeboten und Rechnungenbei Übergaben zwischen Büro, Disposition und Baustelle
Wer kennt den Stand eines Auftrags?jeder, der ins Programm schautnur, wer mehrere Leute fragt

Stehen deine Antworten links, ist eine Handwerkersoftware die schnellere und günstigere Wahl. Stehen mehrere rechts, ordnet eine weitere Software nur einen Teil, und die Übergaben dazwischen bleiben Handarbeit.

Dazwischen liegen zwei Mittelwege. Du kannst den Standard um ein Zusatzwerkzeug oder eine Schnittstelle ergänzen, etwa für Geräte oder Telefon. Oder du suchst für dein Gewerk eine Branchenlösung, die dessen Schritte kennt. Gesucht wird etwa nach Lösungen für Elektro und SHK. Ob sie das wirklich tut, zeigt erst ein echtes Aufmaß im Test.

04Was eine Handwerkersoftware im Jahr kostet

Nach unserer Modellrechnung zahlt ein Betrieb mit einem Büro-Nutzer und sechs Monteuren rund 2.630 Euro im Jahr ohne Mehrwertsteuer bei plancraft. Wichtig ist, alle Monteure mitzuzählen, die die App brauchen.

Gegen diese Summe steht die Zeit, die neben der Software bleibt, also Suchen, Abtippen und Nachfragen. Was das bei dir ausmacht, rechnest du im Kostenrechner mit deinen Zahlen nach. Ein eigenes System kostet bei uns ein Bauprojekt plus Retainer, die Höhe steht erst nach der Analyse fest.

05Rechnungen an Privatkunden und Gewerbekunden

Führst du steuerpflichtige Arbeiten am Grundstück eines Privatkunden aus, musst du binnen sechs Monaten eine Rechnung stellen (§ 14 Abs. 2 UStG). Das gilt für Werklieferungen und sonstige Leistungen im Zusammenhang mit einem Grundstück. Auf die Rechnung gehört der Hinweis, dass der Kunde sie zwei Jahre aufbewahren muss (§ 14 Abs. 4 Nr. 9 UStG).

Für Gewerbekunden kommt die E-Rechnung. Empfangen können muss jedes inländische Unternehmen sie seit dem 1. Januar 2025. Ausstellen musst du sie ab 1. Januar 2027, bei höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz ab 1. Januar 2028. Ausgenommen sind unter anderem Rechnungen an Privatpersonen, Kleinbeträge bis 250 Euro brutto und Rechnungen von Kleinunternehmern. Fristen und Formate stehen im Beitrag E-Rechnung ab 2027.

06Worauf du bei der Auswahl achtest

Prüf vor dem Kauf vor allem, ob die Software deine beiden Rechnungsarten erzeugt und ob du deine Daten vollständig herausbekommst. Diese acht Punkte gehören in jeden Test, als Frage an den Anbieter.

  1. Zwei Rechnungsarten. E-Rechnung für Gewerbekunden, der Aufbewahrungshinweis für Privatkunden bei Arbeiten am Grundstück.
  2. Datenexport. Bei einer Außenprüfung darf das Finanzamt deine Daten maschinell auswertbar verlangen, auch wenn sie beim Anbieter liegen (§ 147 Abs. 6 AO). Frag, wie du Kunden, Aufträge und Rechnungen herausbekommst, auch nach einer Kündigung.
  3. Übergabe ans Steuerbüro. Gibt es eine Anbindung an DATEV, und ist sie im Plan enthalten?
  4. Ausschreibungen. Arbeitest du mit Leistungsverzeichnissen, frag nach dem Import im GAEB-Format und in welchem Plan er steckt.
  5. Auftragsverarbeitung. Liegen Kundendaten beim Anbieter, brauchst du einen Vertrag nach Art. 28 DSGVO. Darin muss stehen, dass er am Ende alle personenbezogenen Daten nach deiner Wahl löscht oder zurückgibt.
  6. Zeiterfassung. Arbeitgeber müssen ein System einführen, mit dem die Arbeitszeit erfasst werden kann, so das Bundesarbeitsgericht am 13. September 2022. Prüf, ob deine Monteure das auf der Baustelle wirklich bedienen.
  7. Aufmaß je Gewerk. Nimm ein echtes Aufmaß aus jedem deiner Gewerke mit in den Test, nicht das Beispiel des Anbieters.
  8. Preis beim Wachsen. Rechne mit allen Leuten, die eine Lizenz brauchen, und mit doppelt so vielen.

07Der Test mit einem echten Auftrag

Entscheide erst, wenn du weißt, was nach dem Test neben der Software übrig bleibt. Spiel dafür einen abgeschlossenen Auftrag aus dem letzten Monat vollständig durch, vom ersten Anruf bis zur Rechnung.

Notier jeden Schritt, der danach noch auf Papier, im Telefon oder im Kopf eines Kollegen bleibt. Ist die Liste kurz, nimm die Software. Stehen darauf die Dinge, die deinen Betrieb ausmachen, etwa eigene Abläufe je Gewerk, spricht das für ein eigenes System.

Seit meinem Studium habe ich mehr als 30 Unternehmen digital aufgestellt, vom Sanierungsbetrieb bis zum Montageservice. Bei den beiden Handwerksbetrieben in unseren Fallstudien lag der Engpass nach unserer Lesart nicht beim Schreiben der Rechnung. Er lag bei Anrufen, Geräten und Gewerken.

Ob ein eigenes System für deinen Betrieb passt, klären wir in einer kostenlosen System-Analyse in 15 Minuten. Reicht eine Handwerkersoftware, hörst du das von uns genauso. Wie Agenturen dieselbe Frage beantworten, steht im Beitrag Agentursoftware oder eigenes System.

Quellen

  1. Umsatzsteuergesetz, § 14 Ausstellung von Rechnungen, abgerufen am 16. Oktober 2026
  2. Bundesministerium der Finanzen, Fragen und Antworten zur Einführung der obligatorischen (verpflichtenden) E-Rechnung zum 1. Januar 2025, Stand März 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026
  3. Abgabenordnung, § 147 Ordnungsvorschriften für die Aufbewahrung von Unterlagen, abgerufen am 16. Oktober 2026
  4. Verordnung (EU) 2016/679, Datenschutz-Grundverordnung, Artikel 28, im Wortlaut der Textausgabe der Bundesbeauftragten für den Datenschutz, DSGVO und BDSG, Texte und Erläuterungen, Stand März 2026, abgerufen am 16. Oktober 2026
  5. Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 13. September 2022, 1 ABR 22/21, Pressemitteilung 35/22, abgerufen am 16. Oktober 2026
  6. plancraft, Preise, abgerufen am 16. Oktober 2026
  7. HERO Software, Preise und Pläne, abgerufen am 16. Oktober 2026
  8. Eigene Auswertung der Suchdaten, DataForSEO und Google Keyword-Planer, Google Deutschland, Deutsch, abgerufen am 16. Oktober 2026
  9. paceOPS, Fallstudien Engels-OS und KOVA MontageOS, Stand Oktober 2026